Rundbiefe - Biologische Schutzgemeinschaft - Vereinigung für Natur- und Umweltschutz zu Göttingen e. V.

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Rundbiefe

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Rundbrief 1/2018

Liebe Mitglieder und Freunde der BSG,
durch die Gefahren, die den Fortbestand unseres Vereins bedrohten, sind wir zwar ein wenig aus der Puste, aber ein schönes abwechslungsreiches Sommerprogramm können wir trotzdem anbieten. Wir laden Sie ein, um Göttingen herum die botanischen und zoologischen Schönheiten und Besonderheiten mit uns zu erkunden.

Rebhuhn
Die Krise der Biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen beschäftigt immer mehr Personen, daher ist das Interesse an unserem Rebhuhnschutzprojekt ungebremst. Der NLWKN hat zwar die Förderung widerrufen, aber immer noch treffen fast täglich Anfragen zum Schutz von Rebhühnern ein. Natürlich beraten wir weiterhin die Akteure, wir verbreiten unseren Leitfaden Rebhuhnschutz, versuchen in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Göttingen die Agrarumweltmaßnahmen zu optimieren und halten an vielen Orten Vorträge, kürzlich beispielsweise vor Landwirtschaftsberatern als mögliche Multiplikatoren des Feldvogelschutzes. In Kooperation mit der Abteilung Naturschutzbiologie der Uni Göttingen nimmt der Rebhuhnschutz vor Ort noch einmal an Fahrt auf: Am südlichen Stadtrand von Göttingen hat die Universität mit Landwirten zahlreiche Verträge abgeschlossen. Schon im Sommer werden Sie zwischen Geismar und Diemarden überall unseren Blühflächen begegnen, auf denen teils schon im Herbst die ersten Pflanzen gekeimt sind. Sämlinge von Mohn, Kornblume und Färberkamille lassen auf ein eindrucksvolles Farb-Spektakel ab Juni hoffen.

UN-Dekade Biologische Vielfalt 2018
Das Rebhuhnschutzprojekt wurde als offizielles Projekt der "UN-Dekade Biologische Vielfalt 2018" ausgezeichnet. Mit einer Urkunde wurde Werner Beeke für die BSG im Rahmen der Grünen Woche in Berlin geehrt. Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 – 2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. In Deutschland werden Projekte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Reinhard Urner
Immer wieder wird schmerzhaft deutlich, dass uns Reinhard Urner fehlt im Einsatz für den Verein und mit seinem ungeheuren nicht nur botanischen Wissen. Nun hat unser Mitglied Bertram Preuschhof Verbreitungskarten gefährdeter Gefäßpflanzenarten im Landkreis Göttingen erstellt, von denen allein 872 der ausgewerteten Datensätze auf die unermüdliche Suche nach seltenen Arten durch Reinhard Urner zurückgehen. Insgesamt sind die Karten nutzbar als Überblick über die Verbreitung der entsprechenden Art im Landkreis Göttingen in den Jahren seit 1983. Außerdem können sie als Grundlage dazu dienen, zu überprüfen, ob frühere Vorkommen einer Art noch existieren. Dies ist zu finden auf der Homepage der BSG unter http://www.biologischeschutzgemeinschaft.de/flora-verbreitung.html.
Zu Ehren von Reinhard Urner hat der Vorstand auf dem Kleinen Knüll bei Reinhausen eine Elsbeere gepflanzt.

Mit freundlichen Grüßen für den Vorstand
Waltraud Gradmann

P. S.
Vielleicht kennen Sie jemanden, der ein größeres Büro in der Innenstadt sucht?
Im Umweltzentrum steht ein Raum zur Vermietung frei. Der Büroraum ist 29,8 m² groß und besticht durch seine zwei großen, zum Garten hin zeigenden Rundbogenfenster, die Stuckdecke sowie den weißen, verzierten Kachelofen. Die Warmmiete beträgt 380 €, Einzug ist ab sofort möglich. Weitere Informationen und Fotos finden Sie unter http://www.goettinger-umweltzentrum.de/bueroraum-frei.
Bei Interesse melden Sie sich bitte unter folgender Telefonnummer: 0551 – 2099461



Rundbrief 2/2017

Liebe Mitglieder und FreundInnen der BSG!
Aus unserem Verein gibt es wieder viel Neues und Erfolgreiches zu berichten:

Windkraft Rittmarshausen im Vogelschutzgebiet V 19
Erfolg vorm Verwaltungsgericht endgültig gesichert: Nachdem die Klage des Windkraftbetreibers vor dem Verwaltungsgericht Göttingen im Winter gescheitert war und ein Berufungsverfahren nicht zugelassen wurde, legte der Kläger Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg ein. Auch die BSG als Beigeladene des Verfahrens hatte dadurch zusätzlich Arbeit und Kosten, wir mussten dem OVG durch unseren Anwalt die Sichtweise unseres Verbandes darlegen. Anfang September nun hat das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde des Windkraftbetreibers verworfen, unser Verein hat die Kosten des Hauptsacheverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Göttingen zurückerstattet bekommen, die geplanten 5 Windräder dürfen definitiv nicht gebaut werden!

Wildbienenprojekt
Das Wildbienenprojekt entwickelt sich weiterhin gut, zahlreiche seltene Arten wurden auf den Flächen gefunden. Infolge spezieller Pflegemaßnahmen im letzten Winter, z. B. dem Freistellen von mehreren südexponierten Steinbruchwänden, wurde zusätzlich attraktiver Lebensraum geschaffen, der auch von verschiedenen Wildbienenarten angenommen wurde – die Bestimmung aller Arten ist noch nicht abgeschlossen. In den 4 Untersuchungsgebieten verliefen nicht alle Pflegemaßnahmen optimal – so wurde auf dem wertvollen Keuperhang am Einzelberg bei Groß Schneen im Sommer eine zu intensive Beweidung von der Tierhalterin durchgeführt, so dass über einen langen Zeitraum keinerlei Blütenhorizont mehr vorhanden war. Infolge unserer Interventionen haben uns Landschaftspflegeverband und untere Naturschutzbehörde zugesagt, das Beweidungsregime im kommenden Jahr abzuändern. Auch solche Korrekturen sind wichtige Ergebnisse unseres Wildbienenprojekts.

Rebhuhn
Mit der Einführung der "strukturreichen Blühstreifen" in ganz Niedersachsen müssen nun im Land möglichst viele Landwirte gewonnen werden, sich an dieser Agrarumweltmaßnahme zu beteiligen. Dazu berät die BSG (Werner Beeke und Eckhard Gottschalk) landesweit Akteure, die sich vor ihrer Haustür für den Rebhuhnschutz einsetzen. Dazu haben wir zahlreiche Kontakte geknüpft, Vorträge gehalten, potenzielle Projektgebiete besucht, Infomaterialien verteilt und vor allem die Akteure persönlich beraten. Der Beratungsbedarf ist erstaunlich hoch und unser Angebot wurde vielfach angenommen. Die umfangreichste Veranstaltung war eine Tagung bei der Naturschutzakademie in Schneverdingen, in Kooperation mit der Vogelschutzwarte, dem Game and Wildlife Conservation Trust und dem Landschaftspflegeverband Göttingen: "Rebhuhnschutz vor Ihrer Haustür". 87 Teilnehmer haben sich einen Tag lang zum Rebhuhnschutz informiert. Einige Regionen möchten nun auch mit einer systematischen Zählung ihrer Rebhuhnbestände beginnen.

Pilze
Ein völlig verregneter Sommer - es gibt kaum Schöneres für pilzkundlich Interessierte. Auch 2017 läuft das von BSG-Mitgliedern durchgeführte Pilz-Monitoring der sauren und basenreichen Magerrasen Göttingens weiter. Nachdem 2016 aufgrund langanhaltender sommerlicher Trockenperioden erst in den späten Herbstmonaten bemerkenswerte Funde wie der des faszinierenden Parasiten Squamanita contortipes auf dem "Hühnerfeld" gelangen, zeigt sich 2017 von seiner besten Seite. Zahlreiche extrem seltene Pilzarten konnten nachgewiesen werden, darunter der Weißliche Keulengallertpilz (Tremellodendropsis tuberosa) und die Bläulichbereifte Keule (Clavaria greletii), jeweils an Einzelberg und Ellershagen, Pflegeflächen der BSG. Beide Arten stehen in Deutschland in Kategorie 1 der Roten Liste (vom Aussterben bedroht), letztere ist ein Neunachweis für Niedersachsen und darüber hinaus eine vom BfN als "deutsche Verantwortungsart" ausgewählte Spezies. Am Einzelberg wurden im August darüber hinaus zwei sehr attraktive Saftlinge gefunden: Der Feuerschuppige Saftling (Hygrocybe intermedia), in Niedersachsen bis dato RL 0, und der Grüngelbliche Saftling (Hygrocybe citrinovirens), ein Neufund für Niedersachsen und laut IUCN global gefährdet. Mit 22 Saftlings-Arten ist der Einzelberg jetzt ein Wiesenpilz-Standort von internationaler Bedeutung. Bleibt zu erwähnen, dass dort bei einer Pilz-Exkursion der Juchtenkäfer oder Eremit (Osmoderma eremita) nachgewiesen werden konnte - eine streng geschützte, prioritäre FFH-Art und der erste Fund für den Göttinger Raum seit den 1990er Jahren (damals durch Reinhard Urner).

Beweidungsprojekt
In diesem Jahr beweiden 2 Herden die Flächen im Bratental und Umgebung. Die aus Schafen und Ziegen bestehenden Mischherden beweiden jeweils eine Koppel von einer Größe von 2500 - 5000 m² für etwa 1 - 3 Wochen. Die Koppeleinteilung bedeutet zwar Mehraufwand, verspricht jedoch enorme Vorteile. Auf dem zu beweidenden Flächenabschnitt - der Koppel - findet innerhalb eines kurzen
Zeitraums eine intensive Beweidung statt. Nach dieser Beweidung finden auf diesem Flächenabschnitt für mindestens 10 Wochen keine Fraß- und Trittaktivitäten statt. Die zuvor kahl gefressene Weide erholt sich innerhalb weniger Wochen und wandelt sich in eine blühende Landschaft zurück. Im Gegensatz zu einer ganzflächigen Beweidung, bei der Fraßaktivitäten in einem relativ langen Zeitraum stattfinden, bleibt bei der Koppelbeweidung die Mehrheit der blühenden Kräuter auf der Gesamtfläche erhalten, bzw. wächst nach. Den Insekten stehen somit genügend Ausweichmöglichkeiten an blühenden Pflanzen zur Verfügung.
Durch den stetigen Wechsel der Flächen besteht auch ein geringeres Risiko zur Bildung von Endoparasiten bei den Herdentieren. Aus diesem Grund kann auf eine prophylaktische Wurmkur verzichtet werden. Dadurch ist die Losung der Tiere später auch für Pilze zugänglich.
Auch in diesem Jahr dokumentieren wir das Beweidungsprojekt und veröffentlichen dies zu Beginn des neuen Jahres auf unserer Homepage.

Pflegeeinsätze
Wir freuen uns, dass die vergangenen Pflegeeinsätze wieder gut besucht wurden. Aufgrund der Anzahl und Motivation der Teilnehmer konnten die betreuten Biotope dieses Jahr in einen sehr guten Zustand gebracht werden. Als Dank gab es neben dem bekannten 2. Frühstück auch hin und wieder eine kulinarische Besonderheit wie Grillen oder einen frisch zubereiteten original ungarischen Gulasch.
Neuerdings hat unser Mitglied Ching-Yen eine Facebookseite gestartet. Neben den aktuellen Terminen findet man hier auch exklusiv aktuelle Bilder von den Pflegeeinsätzen.
Wir heißen Jung und Alt willkommen und freuen uns auf immer wiederkehrende wie auch neue Gesichter und möchten uns nochmal bei allen aktiven Teilnehmern bedanken.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme an allen unseren Veranstaltungen!
Mit freundlichen Grüßen für den Vorstand
Waltraud Gradmann
 
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