Rundbriefe 2017 - Biologische Schutzgemeinschaft - Vereinigung für Natur- und Umweltschutz zu Göttingen e. V.

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Rundbriefe 2017

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Rundbrief 1/2017

Liebe Mitglieder und Freunde der BSG,                       
auf unserer diesjährigen Jahreshauptversammlung im Januar konnten wir über viele gelungene Aktivitäten berichten, die wir hier schwerpunktmäßig noch einmal vorstellen möchten. Besonders erfreulich ist die Erweiterung des Vorstandes um zwei neue Mitglieder, Friederike Siegel und Fionn Pape, beide Studierende im Masterstudiengang Biologie.
Wir laden mit unserem Sommerprogramm ein zu neuen Aktivitäten und wünschen uns viele interessierte Teilnehmer.

Wildbienenprojekt
Im Winterhalbjahr stand die Optimierung von Teilbereichen der vier für das Wildbienenprojekt ausgewählten Untersuchungsgebiete an. So wurden neben den gewöhnlichen Pflegemaßnahmen auf den Magerrasen in drei Gebieten Steinbrüche und Steilkanten von Beschattung befreit, einzelne Büsche und Bäume mussten dafür weichen. Außerdem wurden alte Lesesteinhaufen frei gestellt, einzelne Abbruchkanten geschaffen sowie in kleinflächigen Magerrasenbereichen der Grasfilz entfernt. All diese Maßnahmen dienten der Schaffung offener, sonniger Bereiche, die bevorzugte Bruthabitate der Wildbienen darstellen. In der jetzt anlaufenden Saison werden wir genau beobachten, inwieweit die seltenen Bienenarten die neu geschaffenen Strukturen annehmen. Auf jeden Fall werden sich auch andere Insekten, wärmeliebende Pflanzen sowie Zauneidechse und Schlingnatter über die zusätzlichen sonnenexponierten Bereiche freuen.

Beweidungsprojekt
Auch in diesem Jahr wird das Beweidungsprojekt im Bratental fortgeführt. Die Beweidung am Steinbruch findet nun in enger Absprache mit den Verantwortlichen des Wildbienenprojekts statt. Im Winterhalbjahr sind hier zwei südexponierte Felswände von Gebüschen freigestellt worden, um den Lebensraum für die Wildbienen zu verbessern. Schafe und Ziegen werden sicherlich ihr Bestes geben, damit diese Felswände zukünftig sonnenbeschienen bleiben.
Der Schaf- und Ziegenbestand hat sich in diesem Jahr verdoppelt, so dass nun mit zwei Herden beweidet werden kann. Eingesetzt werden neben Deutschen Edelziegen auch zwei bedrohte Schafrassen wie Skudden und Coburger Füchse. Diese anspruchslosen und widerstandsfähigen Landschaftspfleger kommen mit den mageren Verhältnissen auf den Trockenrasen wunderbar zurecht. Die Ergebnisse können Sie unter: „beweidung.biologische-schutzgemeinschaft.de“ nachlesen.

Pilze
Seit 2005 kartieren Mitglieder der BSG und befreundete Aktive die Pilze im Raum Göttingen. Das besondere Augenmerk  liegt auf den Wiesenpilzen, insbesondere den stark bedrohten Vertretern der auch optisch sehr ansprechenden Saftlinge (Hygrocybe s.l.), Wiesenkorallen (Clavariaceae), Rötlinge (Entolomataceae), Erdzungen (Geoglossaceae) und anderer ökologisch nahestehender Gruppen. 30 Offenlandstandorte wie Magerrasen und mesophile Wiesen auf Kalk, Buntsandstein und Keuper und zwei Waldstandorte wurden untersucht und ein außerordentlicher Artenreichtum entdeckt: Fast 900 Pilz-Arten wurden bisher gefunden, etwa 350 davon sind nach der niedersächsischen Roten Liste gefährdet, viele davon auch bundesweit bedroht. Mehr als 20 Arten wurden für Niedersachsen erstmals nachgewiesen. Besondere Bedeutung hat der Nachweis des weltweit extrem seltenen Glattstieligen Schuppenwulstlings (Squamanita contortipes). 4 Flächen haben auf Grund ihrer Wiesenpilz-Vorkommen, insbesondere der Saftlinge, eine bundesweite Relevanz und sollten unbedingt geschützt werden. Die Funde werden derzeit im Rahmen einer großen Publikation zu Wiesenpilzen zuammengestellt. Die circa 350 Seiten umfassende Arbeit wird nach Fertigstellung als Sonderband der BSG-Schriftenreihe „Göttinger Naturkundliche Schriften“ (GNS) veröffentlicht.

Windkraft Rittmarshausen im Vogelschutzgebiet V 19
Großer Erfolg für den Naturschutz und die betroffene Bevölkerung: Das Verwaltungsgericht Göttingen hat sämtliche Anträge des Windkraftbetreibers abgewiesen, der gegenüber dem Landkreis die Aufstellung von 5 Windrädern im Gebiet durchsetzen wollte.
Im überfüllten Saal des Gerichts fand kurz vor Weihnachten eine spannende, mehrstündige Verhandlung statt, in der die BSG als Beigeladene durch ihren Anwalt sowie durch Eckhard Gottschalk als Sachverständigen entscheidenden Einfluss nehmen konnte. Das Gericht stellte fest, dass es sich bei dem zur Bebauung vorgesehenen „Loch“ im V 19 um ein faktisches Vogelschutzgebiet handelt, in dem zum Schutz des Rotmilans Windräder untersagt sind. Der Windkraftbetreiber muss der BSG nun auch die Anwaltskosten ersetzen, eine Berufung wurde nicht zugelassen – allerdings hat der Kläger dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Die Sache ist also immer noch nicht ganz abgeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen für den Vorstand
Waltraud Gradmann




Rundbrief 2/2017

Liebe Mitglieder und FreundInnen der BSG!
Aus unserem Verein gibt es wieder viel Neues und Erfolgreiches zu berichten:

Windkraft Rittmarshausen im Vogelschutzgebiet V 19
Erfolg vorm Verwaltungsgericht endgültig gesichert: Nachdem die Klage des Windkraftbetreibers vor dem Verwaltungsgericht Göttingen im Winter gescheitert war und ein Berufungsverfahren nicht zugelassen wurde, legte der Kläger Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg ein. Auch die BSG als Beigeladene des Verfahrens hatte dadurch zusätzlich Arbeit und Kosten, wir mussten dem OVG durch unseren Anwalt die Sichtweise unseres Verbandes darlegen. Anfang September nun hat das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde des Windkraftbetreibers verworfen, unser Verein hat die Kosten des Hauptsacheverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Göttingen zurückerstattet bekommen, die geplanten 5 Windräder dürfen definitiv nicht gebaut werden!

Wildbienenprojekt
Das Wildbienenprojekt entwickelt sich weiterhin gut, zahlreiche seltene Arten wurden auf den Flächen gefunden. Infolge spezieller Pflegemaßnahmen im letzten Winter, z. B. dem Freistellen von mehreren südexponierten Steinbruchwänden, wurde zusätzlich attraktiver Lebensraum geschaffen, der auch von verschiedenen Wildbienenarten angenommen wurde – die Bestimmung aller Arten ist noch nicht abgeschlossen. In den 4 Untersuchungsgebieten verliefen nicht alle Pflegemaßnahmen optimal – so wurde auf dem wertvollen Keuperhang am Einzelberg bei Groß Schneen im Sommer eine zu intensive Beweidung von der Tierhalterin durchgeführt, so dass über einen langen Zeitraum keinerlei Blütenhorizont mehr vorhanden war. Infolge unserer Interventionen haben uns Landschaftspflegeverband und untere Naturschutzbehörde zugesagt, das Beweidungsregime im kommenden Jahr abzuändern. Auch solche Korrekturen sind wichtige Ergebnisse unseres Wildbienenprojekts.

Rebhuhn
Mit der Einführung der "strukturreichen Blühstreifen" in ganz Niedersachsen müssen nun im Land möglichst viele Landwirte gewonnen werden, sich an dieser Agrarumweltmaßnahme zu beteiligen. Dazu berät die BSG (Werner Beeke und Eckhard Gottschalk) landesweit Akteure, die sich vor ihrer Haustür für den Rebhuhnschutz einsetzen. Dazu haben wir zahlreiche Kontakte geknüpft, Vorträge gehalten, potenzielle Projektgebiete besucht, Infomaterialien verteilt und vor allem die Akteure persönlich beraten. Der Beratungsbedarf ist erstaunlich hoch und unser Angebot wurde vielfach angenommen. Die umfangreichste Veranstaltung war eine Tagung bei der Naturschutzakademie in Schneverdingen, in Kooperation mit der Vogelschutzwarte, dem Game and Wildlife Conservation Trust und dem Landschaftspflegeverband Göttingen: "Rebhuhnschutz vor Ihrer Haustür". 87 Teilnehmer haben sich einen Tag lang zum Rebhuhnschutz informiert. Einige Regionen möchten nun auch mit einer systematischen Zählung ihrer Rebhuhnbestände beginnen.

Pilze
Ein völlig verregneter Sommer - es gibt kaum Schöneres für pilzkundlich Interessierte. Auch 2017 läuft das von BSG-Mitgliedern durchgeführte Pilz-Monitoring der sauren und basenreichen Magerrasen Göttingens weiter. Nachdem 2016 aufgrund langanhaltender sommerlicher Trockenperioden erst in den späten Herbstmonaten bemerkenswerte Funde wie der des faszinierenden Parasiten Squamanita contortipes auf dem "Hühnerfeld" gelangen, zeigt sich 2017 von seiner besten Seite. Zahlreiche extrem seltene Pilzarten konnten nachgewiesen werden, darunter der Weißliche Keulengallertpilz (Tremellodendropsis tuberosa) und die Bläulichbereifte Keule (Clavaria greletii), jeweils an Einzelberg und Ellershagen, Pflegeflächen der BSG. Beide Arten stehen in Deutschland in Kategorie 1 der Roten Liste (vom Aussterben bedroht), letztere ist ein Neunachweis für Niedersachsen und darüber hinaus eine vom BfN als "deutsche Verantwortungsart" ausgewählte Spezies. Am Einzelberg wurden im August darüber hinaus zwei sehr attraktive Saftlinge gefunden: Der Feuerschuppige Saftling (Hygrocybe intermedia), in Niedersachsen bis dato RL 0, und der Grüngelbliche Saftling (Hygrocybe citrinovirens), ein Neufund für Niedersachsen und laut IUCN global gefährdet. Mit 22 Saftlings-Arten ist der Einzelberg jetzt ein Wiesenpilz-Standort von internationaler Bedeutung. Bleibt zu erwähnen, dass dort bei einer Pilz-Exkursion der Juchtenkäfer oder Eremit (Osmoderma eremita) nachgewiesen werden konnte - eine streng geschützte, prioritäre FFH-Art und der erste Fund für den Göttinger Raum seit den 1990er Jahren (damals durch Reinhard Urner).

Beweidungsprojekt
In diesem Jahr beweiden 2 Herden die Flächen im Bratental und Umgebung. Die aus Schafen und Ziegen bestehenden Mischherden beweiden jeweils eine Koppel von einer Größe von 2500 - 5000 m² für etwa 1 - 3 Wochen. Die Koppeleinteilung bedeutet zwar Mehraufwand, verspricht jedoch enorme Vorteile. Auf dem zu beweidenden Flächenabschnitt - der Koppel - findet innerhalb eines kurzen Zeitraums eine intensive Beweidung statt. Nach dieser Beweidung finden auf diesem Flächenabschnitt für mindestens 10 Wochen keine Fraß- und Trittaktivitäten statt. Die zuvor kahl gefressene Weide erholt sich innerhalb weniger Wochen und wandelt sich in eine blühende Landschaft zurück. Im Gegensatz zu einer ganzflächigen Beweidung, bei der Fraßaktivitäten in einem relativ langen Zeitraum stattfinden, bleibt bei der Koppelbeweidung die Mehrheit der blühenden Kräuter auf der Gesamtfläche erhalten, bzw. wächst nach. Den Insekten stehen somit genügend Ausweichmöglichkeiten an blühenden Pflanzen zur Verfügung.
Durch den stetigen Wechsel der Flächen besteht auch ein geringeres Risiko zur Bildung von Endoparasiten bei den Herdentieren. Aus diesem Grund kann auf eine prophylaktische Wurmkur verzichtet werden. Dadurch ist die Losung der Tiere später auch für Pilze zugänglich.
Auch in diesem Jahr dokumentieren wir das Beweidungsprojekt und veröffentlichen dies zu Beginn des neuen Jahres auf unserer Homepage.

Pflegeeinsätze
Wir freuen uns, dass die vergangenen Pflegeeinsätze wieder gut besucht wurden. Aufgrund der Anzahl und Motivation der Teilnehmer konnten die betreuten Biotope dieses Jahr in einen sehr guten Zustand gebracht werden. Als Dank gab es neben dem bekannten 2. Frühstück auch hin und wieder eine kulinarische Besonderheit wie Grillen oder einen frisch zubereiteten original ungarischen Gulasch.
Neuerdings hat unser Mitglied Ching-Yen eine Facebookseite gestartet. Neben den aktuellen Terminen findet man hier auch exklusiv aktuelle Bilder von den Pflegeeinsätzen.
Wir heißen Jung und Alt willkommen und freuen uns auf immer wiederkehrende wie auch neue Gesichter und möchten uns nochmal bei allen aktiven Teilnehmern bedanken.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme an allen unseren Veranstaltungen!
Mit freundlichen Grüßen für den Vorstand
Waltraud Gradmann

 
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