Rundbriefe 2021 - Biologische Schutzgemeinschaft - Vereinigung für Natur- und Umweltschutz zu Göttingen e. V.

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Rundbriefe 2021

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Rundbrief 1/2021

Liebe Mitglieder und FreundInnen der BSG!

Sie halten den neuen Rundbrief und das Sommerprogramm 2021 in Händen! Trotz der für uns alle einschränkenden Corona-Bedingungen sind wir froh und stolz, viele in 2020 erfolgreich angestoßene und durchgeführte Projekte vorstellen und einen Ausblick auf das ebenso spannend werdende Jahr 2021 geben zu können. Wir hoffen, dass von unserem umfangreichen Sommerprogramm möglichst wenig Geplantes der Pandemie zum Opfer fallen wird, und sind begeistert und dankbar, dass sich so viele Aktive trotz der bestehenden Unsicherheit bereit erklärt haben, Veranstaltungen für uns anzubieten.

Fledermäuse
Die BSG startet eine neue Fledermausuntersuchung, nachdem die Erhebung durch unseren Experten David Singer im letzten Jahr in drei Parks und Erholungsgebieten in Göttingen sehr gute Ergebnisse lieferte. Es gelangen sogar für die drei Arten Kleine Bartfledermaus, Kleiner Abendsegler und Großer Abendsegler Erstnachweise für Wochenstuben in Göttingen. Diesmal wollen wir den Göttinger Wald und das Kerstlingeröder Feld als Untersuchungsziele ins Auge fassen und hoffen wieder auf fledermausreiche Abende. Besonders erfreulich wäre es, wenn wir die seltene Bechsteinfledermaus (FFH-II-Art) entdecken würden. Sie ist als sehr anspruchsvolle Art auf große, strukturreiche alte Laub- und Mischwälder angewiesen, in denen sie Jagdlebensraum sowie Baumhöhlen für ihre Sommerquartiere und Wochenstuben finden kann. Wir sind schon jetzt sehr gespannt…

Zauneidechse
Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist Reptil des Jahres 2021 - dieses haben die Herpetofauna-Experten Lennart Hudel und Leonard Bolte mit Unterstützung von einigen anderen zum Anlass genommen, ein Citizien Science-Projekt für die BSG auf die Beine zu stellen (vielen Dank an dieser Stelle!). Ziel ist die Schaffung einer regionalen Verbreitungsübersicht dieser zunehmend gefährdeten Art, eine wichtige Grundlage für Schutzmaßnahmen insbesondere im urbanen Raum. Aktuelle und ältere Nachweise können per Mail mit Fundort und Datum und ggf. Foto an zauneidechse@biologische-schutzgemeinschaft.de gemeldet oder direkt online in ein von L. Hudel und L. Bolte betreutes iNaturalist-Projekt eingegeben werden. Zu finden ist ein Link zum Projekt und ein Hintergrundartikel auf der Homepage der BSG.

AK Wildbienen
2020 startete unser neues, von der Bingo-Umweltstiftung mit knapp 30.000 € bezuschusstes Projekt „Förderung von Hotspots der Wildbienen-Vielfalt in Südniedersachsen“ und alle Projektbereiche liefen trotz Corona ganz überwiegend nach Plan. Im Rahmen der Erfassungen in unseren sieben Projektgebieten durch die Wildbienen-Fachleute Thomas Fechtler und Hanna Gardein konnten zahlreiche gefährdete Arten nachgewiesen werden - oft mit der großen Unterstützung aus unserem Arbeitskreis Wildbienen. Die sehr aufwändigen Auswertungsarbeiten laufen noch, erste Ergebnisse werden aber demnächst in einer bereits eingereichten Publikation in der Fachzeitschrift „Ampulex“ veröffentlicht. Im Citizen Science-Bereich von Hubertus Rölleke mussten coronabedingt einzelne Exkursionen abgesagt werden. Dafür waren die Aufrufe zur Fundmeldung über das Göttinger Tageblatt umso erfolgreicher - uns erreichten fast 100 Meldungen von Holzbiene und Co. Dieses Jahr wird die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), die Wildbiene des Jahres 2021, im Zentrum stehen. Die Einrichtung und Betreuung der lokalen Wildbienen-Datenbank durch Friederike Grau wurde erfolgreich weitergeführt, ermöglicht insbesondere durch eine tolle Kooperation mit den Abteilungen Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökolögie der Universität Göttingen und dem Einsatz von Dr. Annika Haß.

Angeregt durch eine sehr intensive Zusammenarbeit unseres AK Wildbienen mit dem Garten-Kustos des Alten Botanischen Gartens (AGB) Dr. Michael Schwerdtfeger - es wurden viele Bereiche im Systemteil ehrenamtlich gepflegt - wird Thomas Fechtler 2021 dort eine Erfassung der Wildbienen-Fauna durchführen. Über 20 Jahre nach der ersten Erfassung sind hochinteressante Ergebnisse zu erwarten. Der Förderverein „Freunde der Botanischen Gärten“ und die BSG übernehmen jeweils die Hälfte der Kosten. Wir hoffen dadurch auch, den ständig von weiteren Einsparungen bedrohten ABG unterstützen zu können. Er ist nicht nur der unbestreitbar schönste Ort in Göttingen, sondern auch ein Hotspot der Biodiversität für viele Organismengruppen, den es unbedingt zu erhalten gilt!

Als Hotspot der Wildbienen-Vielfalt hat sich auch die Kiesgrube Ballertasche im Rahmen der Untersuchungen durch unsere Mitglieder Professor Christoph Bleidorn und Adrian Schaper herausgestellt - über 130 Arten wurden nachgewiesen, darunter einige Neufunde für Niedersachsen. Eine Publikation dazu befindet sich in Vorbereitung.

2021 steht auch schon das nächste Projekt an: Professor Christoph Bleidorn wird mit Unterstützung von vielen weiteren AK-Mitgliedern eine Erfassung auf dem Kerstlingeröder Feld durchführen - man darf sehr gespannt sein!

Nachtfalter
Die BSG liebt es, spannende Projekte zu initiieren, die zu neuen Erkenntnissen über Flora und Fauna und Funga in unserer Region führen. In diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, die artenreiche Gruppe der Nachtfalter ins Visier zu nehmen, die jahrzehntelang im Raum Göttingen vernachlässigt wurde. Dabei machen wir uns das profunde Expertenwissen unseres Mitglieds Toni Kasiske zunutze, der zwar leider Göttingen für seine Doktorarbeit in Braunschweig verlassen hat, uns aber für das Nachtfalterprojekt trotzdem zur Verfügung stehen wird. Toni wird die Nachtfalterfauna des besonders strukturreichen Kalkmagerrasens am Huhnsberg bei Scheden mittels Lichtfang untersuchen: Hochinteressante Ergebnisse sind da fast vorprogrammiert.

Apropos Nachtfalter: Wir freuen uns auch sehr auf die Zusammenarbeit mit Professor Johannes Kamp der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen, der sich neben der Ornithologie auch den Nachtfaltern widmet und bereits Kontakt für einen zunehmenden fachlichen Austausch mit uns aufgenommen hat.


Wenn es die Situation wieder erlaubt, freuen wir uns über zahlreiche Beteiligung an unseren Veranstaltungen - und bis dahin: Bleiben Sie gesund!

Herzlich grüßt für den gesamten Vorstand
Waltraud Gradmann
Rundbrief 2/2021

Liebe Mitglieder und Freund*innen der BSG!

Sie halten den neuen Rundbrief und das Winterprogramm 2021 in den Händen! Trotz Corona konnte das meiste, was wir uns bisher für 2021 vorgenommen hatten, mit kleineren Einschränkungen durchgeführt werden. Nun wollen wir von unseren diesjährigen Projekten berichten!

Zauneidechse
Im Rahmen unseres Citizen Science Projektes zur Zauneidechse, dem Reptil des Jahres 2021, sind über die Plattform iNaturalist rund 200 Meldungen aus der Region Göttingen zusammengekommen!

Nachtfalter
Die Ergebnisse der Nachtfalter-Untersuchung auf dem Kalkmagerrasen Huhnsberg bei Scheden können sich sehen lassen: Rund 250 Nachtfalterarten (Großschmetterlinge) wurden mittels Lichtfang festgestellt, darunter zahlreiche in Niedersachsen sehr seltene, stark gefährdete oder sogar vom Aussterben bedrohte Arten. Von einigen Arten lagen aus Südniedersachsen sogar bislang keine aktuellen Funde vor. Es hat sich schon gezeigt, dass der Huhnsberg auch für die Gruppe der Nachtfalter einen absoluten Hotspot in der Region Südniedersachsen darstellt.

Fledermäuse
Unsere neue kleine Fledermausuntersuchung hat wieder interessante Erkenntnisse über diese sehr heimlichen Tiere geliefert: Bei drei Netzfängen im Göttinger Stadtwald wurden sieben Arten nachgewiesen, neu darunter das Braune Langohr und das bisher nur selten nachgewiesene und als Kulturfolger geltende Graue Langohr. Von beiden Arten konnten besäugte Weibchen besendert und anschließend die Wochenstuben durch Telemetrie aufgestöbert werden. Außerdem wurde ein Männchen der streng geschützten Bechsteinfledermaus (FFH II) gefangen; es muss allerdings offen bleiben, ob der Göttinger Stadtwald als Herberge auch für Weibchenkolonien dieser sehr anspruchsvollen, für strukturreiche naturnahe Laubwälder typischen Art dient.

Laubfrosch
Anfang März war es endlich so weit: Geeignetes Wetter, ausreichend Fördergeld und ein motivierter Unternehmer waren vorhanden und wir konnten unseren langersehnten vierten Teich auf der Laubfroschfläche bei Lödingsen buddeln lassen. Diesmal haben wir einen Teich graben lassen mit verhältnismäßig kleinem Umfang, aber mit größerer Tiefe als die anderen Kleingewässer. Dies hat den Vorteil, dass der Teich auch bei längerer Trockenheit nicht austrocknen sollte. Den Laubfröschen steht damit insgesamt eine Kette von vier in Ausdehnung, Gewässertiefe und Bewuchs unterschiedlichen Kleingewässern zur Verfügung und wir sind nun gespannt, wie der neue Teich im nächsten Jahr angenommen wird. Vielleicht werden sich die Frösche durch lautes Quaken für die Förderung ihres neuen Heims durch den Landkreis Göttingen bedanken!

Beweidung
Im siebten Jahr des Beweidungsprojekts konnte die Zusammenarbeit mit den Niedersächsischen Landesforsten ausgebaut werden. Neben dem Magerrasen an einem ehemaligen Steinbruch wurde nun erstmals eine Feuchtwiese beweidet. Seit Herbst letzten Jahres erfolgt auch eine Beweidung auf dem Friedhof in Kerstlingerode. Gerade Friedhöfe sind wertvolle Rückzugsorte für viele Pflanzen und Kleintiere. Die strukturreichen pestizidfreien Flächen, bestehend aus Wiese, Hecke und alten Bäumen, beherbergen eine hohe Artenvielfalt.
Aufgabe des Beweidungsprojekts ist es nicht nur, die Flächen extensiv zu beweiden, sondern auch die Entwicklung zu dokumentieren. Nach einigen Jahren der regelmäßigen Beweidung erkennen wir eine deutliche Verbesserung des Flächenzustands und eine Erhöhung der Artenvielfalt. So werden etwa am Bärenberg, der seit 2018 von uns beweidet wird, wieder vier Orchideenarten nachgewiesen.

Arbeitskreis Wildbienen
Im Rahmen des 2020 gestarteten Projektes „Förderung von Hotspots der Wildbienen-Vielfalt in Südniedersachsen“ konnten die umfangreichen Erfassungsarbeiten 2021 in allen Projektbereichen ehrenamtlich erfolgreich weitergeführt werden. Es zeichnet sich bereits ab, dass das NSG Steinberg mit wohl über 150 Arten das vermutlich artenreichste Wildbienen-Biotop Niedersachsens sein könnte. Erste Ergebnisse wurden Mitte 2021 in der Fachzeitschrift Ampulex publiziert. Auch die Projektbereiche Citizen Science und Wildbienen-Datenbank wurden weiter vorangetrieben. Die beeindruckenden Ergebnisse der in 2020 durchgeführten Erfassung in der Ballertasche erzeugten nicht nur ein bemerkenswertes Echo in der regionalen Presse, sondern fanden durch eine entsprechende Stellungnahme unsererseits auch Eingang in die kürzlich beschlossene NSG-Verordnung – erstmals werden nun Wildbienenarten als Schutzziel in einer südniedersächsischen Verordnung genannt. Die diesjährige Wildbienen-Untersuchung im NSG Kerstlingeröder Feld erbrachte ebenfalls interessante Ergebnisse. Die diesjährigen Wildbienen-Erfassung im Alten Botanischen Garten zeichnet ihn mit deutlich mehr als 100 Arten als absoluten Hotspot mitten in Göttingen aus, dort pflegen Aktive unseres AKs Bereiche des Systemteils.

Vorträge und Führungen
Wir freuen uns, dass wir unsere Vorträge seit Beginn der Pandemie in online-Formaten anbieten können. Natürlich geht der persönliche Charakter und das Treffen vor Ort durch online-Angebote etwas verloren, aber gleichzeitig wurde dadurch die Reichweite erstaunlich erhöht: Im Maximum haben über 180 Personen teilgenommen! Erfreulich war für uns auch die rege Teilnahme an den Exkursionen, insbesondere im Rahmen der Reihe „Den Gipskarst Südharz erkunden“, die in Kooperation mit vielen
Aktiven stattfand. Besonders hervorheben möchten wir auch folgenden, wichtigen Blick über den Tellerrand: Nach unserem Workshop zu „Naturschutz und Rechtsextremismus“ im Dezember 2020 haben wir im September eine Führung zur KZ-Gedenkstätte Moringen im Programm angeboten. Beide Veranstaltungen wurden gut besucht und bestärken uns darin, weiterhin aktiv für eine offene und verantwortungsbewusste Gesellschaft einzutreten.

Biotoppflegeeinsätze
Im Sommer konnten alle geplanten Pflegeeinsätze stattfinden. Wir freuen uns besonders, dass etliche neue Aktive dazugestoßen sind und regelmäßig teilnehmen. Wer Interesse hat, per E-Mail an bevorstehende Einsätze erinnert zu werden, kann sich gerne an uns wenden, um in einen anonymen Verteiler aufgenommen zu werden (ak-biotoppflege@biologische-schutzgemeinschaft.de).

Jahreshauptversammlung
Es standen die turnusgemäßen Vorstandswahlen an und wir freuen uns, dass alle alten Vorstandsmitglieder wieder angetreten sind, denen von den Mitgliedern das Vertrauen ausgesprochen wurde. Im Vorstand sind somit weiterhin Waltraud Gradmann, Hansi Joger, Bettina Marth, Kai Cormann, Esther Schneider und Fionn Pape.


Wenn die Situation es erlaubt, freuen wir uns über zahlreiche Beteiligung an unseren Veranstaltungen - und bis dahin: Bleiben Sie gesund!

Herzlich grüßt für den gesamten Vorstand
Waltraud Gradmann

PS: Wenn Sie möchten, könnten Sie mit einer kurzen Mail an uns Ihr Einverständnis geben, Post von uns zukünftig digital zu bekommen. Dies würde für uns eine kleine Arbeitserleichterung und Kosteneinsparung bedeuten.
 
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