Rundbriefe 2022 - Biologische Schutzgemeinschaft - Vereinigung für Natur- und Umweltschutz zu Göttingen e. V.

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Rundbriefe 2022

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Rundbrief 1/2022

Liebe Mitglieder und Freund*innen der BSG!

Wir sind froh und stolz, viele in 2021 erfolgreich angestoßene und durchgeführte Projekte vorstellen und einen Ausblick auf das ebenso spannend werdende Jahr 2022 geben zu können.

Streuobstwiesenbuch
Ende letzten Jahres hat die BSG einen umfangreichen Fotoband über die Tierwelt des Lebensraums Streuobstwiese herausgegeben, dessen Entstehung wir unserem Vereinsmitglied Dr. Bettina Lange-Malecki zu verdanken haben. Bettina hat über Jahre hinweg die unterschiedlichsten Arten auf ihrer eigenen, liebevoll gepflegten Streuobstwiese bei Groß Lengden fotografiert und so in diesem Hotspot der Biodiversität einen wahren Schatz an Tierportraits zusammengetragen. Wir danken ihr und vielen anderen für die unermüdliche ehrenamtliche Arbeit, und Dank auch einer Reihe von institutionellen Förderern aus der Region. So konnten wir Layout und Druck dieses ästhetisch schönen Fotobandes realisieren und das über 300 Seiten starke Werk jetzt kostenlos an Interessierte abgeben – greifen Sie zu!

Rebhuhn - Pacht der Hirsebreikuhlen
Die „Hirsebreikuhlen“ sind eine knapp 7 Hektar große Gründlandparzelle am Diemardener Berg mit markanten Erdfällen. Im Rahmen des Rebhuhnschutzprojektes der BSG und der Abteilung Naturschutzbiologie der Uni wurde über 7 Jahre hinweg eine umfangreiche Telemetriestudie mit über 200 besenderten Rebhühnern durchgeführt. An keiner Stelle auf dem Gebiet der Stadt Göttingen oder des Landkreises war eine ähnliche Konzentration von Brutversuchen nachgewiesen worden. Leider endeten alle diese Brutversuche fatal: Alljährlich wurden Rebhuhngelege ausgemäht. So wurde diese Fläche eine echte Rebhuhnfalle. Wir können nun die Pacht der Fläche ab Ende 2022 übernehmen. Im Rahmen unseres Beweidungsprojektes wird die Fläche ab Herbst in eine rebhuhngerechte Nutzung überführt.

AK Wildbienen
Nach der Erfassung der Wildbienen-Fauna im Alten Botanischen Garten im letzten Jahr freuen wir uns sehr, dass die Kooperation mit dem Förderverein der Botanischen Gärten auch 2022 fortgeführt wird: Der Wildbienen-Experte Thomas Fechtler ist nun auch mit der Erfassung der Wildbienen-Fauna im Experimentellen Botanischen Garten beauftragt. Nach der ersten Erfassung in den beiden Gärten in den Jahren 1996/97 können ein Vergleich gezogen und praktische Fördermaßnahmen für diese Artengruppe umgesetzt werden. Im Alten Botanischen Garten engagieren sich seit 2020 bereits viele Aktive in der Pflege von Bereichen des alten Systemteils, nun „Evolutionsgarten“, mit sehr schöner neuer Beschilderung durch Garten-Kustos Michael Schwerdtfeger. Ein Besuch lohnt sich sehr, bei Interesse an einer Mithilfe freut sich unser AK über eine Nachricht.
Zusammen mit Christoph Bleidorn findet 2022 eine Erfassung am Sachsenstein bei Bad Sachsa statt. Floristisch ist das Gebiet bekanntermaßen hochinteressant und es sind auch bei der Gruppe der Wildbienen sehr bemerkenswerte Nachweise zu erwarten. Angesichts der nach wie vor nicht gebannten Gefahr einer Erweiterung des Gipsabbaus im Südharz wollen wir mit diesem Projekt in der Region aktiv bleiben und auf die überregional bedeutsame Biodiversität des Gipskarstes aufmerksam machen.
Auch unser noch bis April 2023 laufendes Projekt zur „Förderung von Hotspots der Wildbienen-Vielfalt in Südniedersachsen“ wird aktiv fortgeführt: Im Rahmen von Citizen Science werden Nachweise von der Wildbiene des Jahres, der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) gesammelt – unser AK freut sich über Meldungen an ak-wildbienen@biologische-schutzgemeinschaft.de.

Forschungsprojekte
Unsere langjährige Pflegefläche am Huhnsberg bei Scheden ist eine der artenreichsten Kalkmagerrasenkomplexe der Region. Svenja Meyer wird die Erfassung der Käfer-Fauna mit Fokus auf die besonders wertgebenden Offenlandarten der Magerrasen und Steinbruchkomplexe durchführen. Es fließen auch Käfer-Zufallsfunde aus vorherigen Untersuchungen am Huhnsberg ein, etwa aus der Nachtfalter-Untersuchung mittels Lichtfang durch Toni Kasiske oder der Spinnen-Untersuchung von Dr. Alexander Sührig mittels Bodenfallen.
Ebenfalls am Huhnsberg findet 2022 eine avifaunistische Untersuchung durch den Ornitholo-gen Béla Bartsch statt. Auch im Kaufunger Wald im Bereich des NSG Hühnerfeld wird durch ihn kartiert werden. Sowohl vom Huhnsberg als auch vom Hühnerfeld liegen ältere Daten zu Brutvögeln vor, so dass besonders für den Kaufunger Wald Effekte des Fichtensterbens und der daraus resultierenden Auflichtung zu erwarten sind.

Feldhamster
Seit 1998 setzen wir uns für den Erhalt und die Förderung der Feldhamster im Uni-Nordbereich ein. Mittlerweile ist die Population seit mehreren Jahren akut vom Aussterben bedroht. Daher gibt es nun Bemühungen zusammen mit der Stadt, der Universität und der AG Feldhamsterschutz Niedersachsen, die Population zu stabilisieren.

Arbeitskreis Biotoppflege
Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich in den Mailverteiler des Arbeitskreises eintragen lassen. Dazu reicht eine Nachricht an ak-biotoppflege@biologische-schutzgemeinschaft.de.

Organisatorisches
In der letzten Zeit haben wir einige Nachfragen bekommen, ob es die Möglichkeit gibt, den Mitgliedsbeitrag per Einzugsermächtigung einziehen zu lassen. Ein entsprechendes Formular erhalten Sie per Anfrage an mail@biologische-schutzgemeinschaft.de.

Wir freuen uns über zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen und möchten an dieser Stelle noch einmal allen Referent*innen und (Exkursions-)Leiter*innen danken!

Herzlich grüßt für den gesamten Vorstand
Waltraud Gradmann
Rundbrief 2/2022

Liebe Mitglieder und Freund*innen der BSG!

Sie halten den neuen Rundbrief und das Winterprogramm 2022 in den Händen! Trotz Corona konnte das meiste, was wir uns bisher für 2022 vorgenommen hatten, mit kleineren Einschränkungen durchgeführt werden. Das gilt sowohl für unsere Projekte als auch für die zahlreichen Veranstaltungen im Sommer. Jetzt hoffen wir natürlich, dass von unserem umfangreichen Winterprogramm möglichst wenig Geplantes der Pandemie zum Opfer fallen wird. Nun wollen wir aber erst einmal von unseren diesjährigen Projekten berichten:

Arbeitskreis Wildbienen
Unser Arbeitskreis Wildbienen summt und brummt und ist emsig dabei, die Erforschung der Wildbienen-Fauna der Region Südniedersachsen voranzutreiben, die eine wichtige Grundlage für den praktischen Schutz dieser faszinierenden Organismengruppe bildet. In 2022 haben wir alte Projekte fortgeführt und neue begonnen: Im Rahmen unseres von 2020-23 laufenden Projektes „Förderung von Hotspots der Wildbienen-Vielfalt in Süd-Niedersachsen. Arten erhalten | Biotope entwickeln | Vielfalt erleben“ wurden weiterhin Erfassungen, Exkursionen und Citizen Science durchgeführt. Angestoßen durch die letztjährige Wildbienen-Erfassung im Alten Botanischen Garten - die in 2022 weitergeführt wurde und deren Erkenntnisse durch wunderbare Zusammenarbeit mit Garten-Kustos Dr. Michael Schwerdtfeger in die Praxis gebracht werden – wurde dieses Jahr auch der Experimentelle Botanische Garten intensiv untersucht. Beauftragt mit der Kartierung ist wieder Wildbienen-Experte Thomas Fechtler, der durch zahlreiche Aktive unterstützt wurde. Auch im Gipskarst Südharz wurde dieses Jahr wieder geforscht: Zusammen mit Professor Christoph Bleidorn wurde am Sachsenstein kartiert – eine ganz besondere Landschaft mit ganz besonderen Arten, die unbedingt erhalten werden muss! In allen Untersuchungen gelangen bemerkenswerte Nachweise (u. a. Neufunde für Niedersachsen), erste Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Ampulex publiziert – was auch prominent im Göttinger Tageblatt aufgegriffen wurde! Alle Infos finden sich wie immer auf der Website der BSG.

Naturkundliche Untersuchungen: Käfer und Avifauna
Auch 2022 haben wir die naturkundliche Erforschung der Region Südniedersachsen weiter vorangetrieben: Neben den bereits behandelten Wildbienen lag der Fokus dieses Jahr auf der Avifauna und erstmals auch Käfern. Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Ornithologen Béla Bartsch und der Entomologin Dr. Svenja Meyer zwei kundige Fachleute für die Untersuchungen gewinnen konnten. Vorrangig wurde wie in den vergangenen Jahren unsere langjährige Pflegefläche am Huhnsberg bei Scheden, untersucht, einem der artenreichsten Kalkmagerrasen-Komplexe der Region. Sowohl bei den Käfern als auch bei den Vögeln gelangen bemerkenswerte Nachweise, über die wir nach der Auswertung berichten werden. Am Huhnsberg ist u. a. der durch langjährige Pferde- & Rinderbeweidung bedingte Artenreichtum der Dungkäfer-Fauna bemerkenswert – und mit einem Steinkauz (erster Nachweis seit langem in Südniedersachsen!) konnte neben Neuntöter und Co. auch ein sehr besonderer direkter Profiteur des Insektenreichtums nachgewiesen werden. Die avifaunistische Untersuchung umfasste auch das NSG Hühnerfeld im Kaufunger Wald. Hier hat sich durch das Fichtensterben eine sehr dynamische und naturschutzfachlich hochinteressante Situation ergeben – spannende Ergebnisse waren zu erwarten und wurden bestätigt!

Arbeitskreis Biotoppflege
Die neue Biotoppflege-Saison hat mit der Pflege der Feuchtwiesen begonnen – und unser Arbeitskreis ist im praktischen Naturschutz weiterhin aktiv wie eh und je! Nachdem pandemiebedingt in den letzten beiden Jahren immer wieder einzelne Termine abgesagt werden mussten, konnten in der neuen Saison bisher alle Einsätze stattfinden. Wir sind nach wie vor begeistert über das großartige Engagement unserer vielen Aktiven, die bei jedem Einsatz topmotiviert sind und dafür sorgen, dass sich unsere rund 20 Pflegeflächen in einem sehr guten Zustand befinden. Bei der Organisation der Einsätze wurden und werden wir auf vielfältige Weise unterstützt und entlastet, sei es bei der Pflege der Maschinen, Besorgung des Frühstücks, dem Bereitstellen von Mitfahrgelegenheiten und der inhaltlichen Leitung. Ein riesiges Dankeschön an alle fleißigen Helfer*innen! Gerne (noch) mehr davon.
Regelmäßig berichten wir von den Einsätzen über unseren Twitter-Kanal, über den auch ohne eigenen Account alle Infos verfügbar sind:  https://twitter.com/BSGGoettingen.
Wer in den Mailverteiler unseres AKs aufgenommen werden möchte, kann sich an ak-biotoppflege@biologische-schutzgemeinschaft.de wenden – wir freuen uns über neue (und alte) Aktive!

Beweidungsprojekt
Mit großer Spannung wird in diesem Jahr die erstmalige Beweidung der Hirsebreikuhlen zum Ende des Jahres erwartet. In Kooperation mit dem Rebhuhnschutzprojekt findet hier in Zukunft eine rebhuhngerechte Beweidung statt, um auch weiterhin diesen Rebhuhn-Hotspot zu erhalten. Gleichzeitig wird auf dieser ehemaligen Mahdwiese und vor einigen Jahrzehnten noch als Acker bewirtschafteten Fläche mit den markanten drei Erdfällen die Fauna- und Flora-Entwicklung dokumentiert.
Die Beweidung verlief in diesem Jahr bisher sehr routiniert. Einzig die Trockenheit brachte ab Sommermitte etwas Sorgen und Mehrarbeit. So wurden wöchentlich 1000 Liter Wasser zu den drei Herden gebracht. Auf den abgeweideten Flächen wuchs anschließend leider kein Gras mehr nach. So hoffen wir nun auf eine günstige Witterung, die dann eine Beweidung auch im Winter zulässt.

Feldhamster
Der Berliner Tierpark vermeldet den ersten Hamsternachwuchs! Das hier durchgeführte Erhaltungs-Zuchtprogramm war der einzige Ausweg, die isolierte Göttinger Hamsterpopulation mit ihrem Genpool zu stabilisieren und zu erhalten. Der dramatische Einbruch der Individuenzahl auf beiden Schutzflächen im Uni-Nordbereich zeichnete sich seit Jahren ab, im Landkreis sind schon seit geraumer Zeit keine Hamster mehr nachgewiesen worden. So wurden einige noch im Unigelände lebende Hamster eingefangen und zusammen mit wenigen Exemplaren aus der Hildesheimer Börde nun in Berlin weitergezüchtet. Dieses Projekt wird zusammen mit der AG Feldhamsterschutz (Nina Lipecki), dem Projekt Feldhamsterland (Deutsche Wildtierstiftung, Tobias Reiners) und dem Senckenberg Institut Frankfurt (genetische Analysen) durchgeführt. Der Bereich der angestrebten Wiederaussetzung von mindestens 30 – 50 Tieren aus der Nachzucht wird noch diskutiert. Neben dem Uni-Nordbereich bietet sich auch ein größeres Gebiet im Landkreis an, in dem früher Hamster vorkamen und Böden, landwirtschaftliche Nutzung und Landschaftsstruktur beste Voraussetzungen geben. Diese sind eben im Uni-Nordbereich de facto nicht vorhanden.

Vorträge und Exkursionen
Wir freuen uns sehr, dass wir Dank vieler Fachleute, die ehrenamtlich zahlreiche Veranstaltungen für uns anbieten, wieder ein breites Angebot an naturkundlichen Aktivitäten im Programm haben! Das oftmals sehr große Interesse ist immer wieder eine schöne Wertschätzung für die ehrenamtliche Naturschutzarbeit. Bei den Vorträgen haben wir uns entschieden, weiterhin auf einen Mix von Online- und Präsenz-Angeboten zu setzen, um neben persönlicher Atmosphäre auch einem überregionalen Publikum die Teilnahme zu ermöglichen.

Wenn die Situation es erlaubt, freuen wir uns über zahlreiche Beteiligung an unseren Veranstaltungen - und bis dahin: Bleiben Sie gesund!

Herzlich grüßt für den gesamten Vorstand
Waltraud Gradmann
 
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